Wirtschaft

Schwarzmeer-Krise: Russische Getreideexporte werden zollfrei

Die russische Regierung plant derzeit ein Moratorium für die "variable" Ausfuhrabgabe auf Weizen, Gerste und Mais. Anlass dazu gaben Schwierigkeiten beim Export von Agrarprodukten über die Häfen des Asow-Schwarzmeer-Beckens.
Schwarzmeer-Krise: Russische Getreideexporte werden zollfreiQuelle: Sputnik © RIA Nowosti/Ilja Najmuschin

Das russische Landwirtschaftsministerium bereitet einen Vorschlag vor, den "variablen" Ausfuhrzoll auf Weizen, Gerste und Mais bis zum Jahresende auszusetzen. Dies teilten der Zeitung Wedomosti Quellen mit, die mit dem Getreidemarkt vertraut sind. Die Zeitung erklärt:

"Ihren Angaben zufolge wird eine solche Initiative vor dem Hintergrund der schwierigen Lage beim Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse über die Seehäfen des Asow-Schwarzmeer-Beckens ausgearbeitet. Dies sind die wichtigsten Drehkreuze für den Agrarexport, über die mehr als 70 Prozent der russischen Getreidelieferungen abgewickelt werden, wie einer der Gesprächspartner der Zeitung betonte. Die Verschärfung der Lage im Schwarzmeerraum hat zu einem Anstieg der weltweiten Weizenpreise geführt. Nach Angaben des Analysezentrums Rusagrotrans stieg der Preis für US-amerikanischen SRW-Weizen vom 11. bis 18. August 2026 auf 283 US-Dollar pro Tonne (+ 15 Dollar pro Tonne), der für rumänischen Weizen auf 268 Dollar pro Tonne (+ zehn Dollar pro Tonne), und der für französischen Weizen sank auf 259 Dollar pro Tonne (- ein Dollar pro Tonne). Der Exportpreis für russischen Weizen in Noworossijsk sank um sechs Dollar auf 215 Dollar pro Tonne."

Sollte die Aufhebung der Zölle bis zum Jahresende beschlossen werden, würde dies dazu beitragen, den derzeitigen Angebotsüberschuss zu mildern, da der Export erschwert ist, und sich positiv auf die steuerliche Belastung der Landwirte auswirken, so die Experten.

Das System der sogenannten "variablen" Zölle auf Weizen, Mais und Gerste, deren Höhe auf der Grundlage der an der Moskauer Börse registrierten Exportverträge berechnet wird, wurde im Jahr 2021 eingeführt, um die Getreidepreise auf dem Binnenmarkt zu stabilisieren. Damals ging man davon aus, dass die Abgabe bei hohen Weltmarktpreisen die überschüssigen Einnahmen abschöpfen und das Getreide im Land halten würde, während die eingenommenen Mittel den Landwirten in Form von Subventionen zurückfließen könnten. "Heute ist die Situation anders: Das Getreideangebot auf dem Binnenmarkt ist ausreichend, und die Hauptschwierigkeiten hängen nicht mit der Gefahr einer Verknappung zusammen, sondern mit den begrenzten Exportmöglichkeiten und sinkenden Erträgen der Erzeuger", schreibt Wedomosti. Daher nimmt die Abgabe bei niedrigen inländischen Getreidepreisen etwa sieben Prozent des Wertes ein, während Händler die Preise für die Landwirte aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Abgaben zu niedrig ansetzen.

Ein Moratorium für die Ausfuhrzölle wird für mehr Vorhersehbarkeit beim Getreideexport sorgen und dazu beitragen, die Einnahmen der Landwirte und der Branche insgesamt zu sichern. Dies ist besonders wichtig, da die Logistikkosten für die Umstellung der Transportwege und die Erschließung alternativer Routen gestiegen sind und die neue Aussaatsaison bevorsteht, so die Experten.

In diesem Jahr kamen zu den wetterbedingten Schwierigkeiten noch ständige Angriffe auf Getreidetransporter im Schwarzen und im Asowschen Meer hinzu. Exportgeschäfte werden deshalb zu hohen Kosten abgewickelt, während der Verkauf von Getreide aufgrund von Problemen bei der Schifffahrt im Asow-Schwarzmeer-Becken schwierig ist. Von dieser Situation sind in erster Linie die Getreideerzeuger betroffen, vor allem aber die Weizenproduzenten: die Gebiete Krasnodar, Stawropol und Rostow. Diese Gebiete sind auf den Export ausgerichtet und produzieren zusammen bis zu 25 Millionen Tonnen Getreide – etwa die Hälfte der Gesamtmenge in Russland.

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