Deutschland

Klagen unterschätzt: Bayer zahlt 24 Milliarden Euro an Glyphosat-Geschädigte in den USA

Die Übernahme von Monsanto sollte Bayer zum globalen Marktführer im Agrarsektor machen. Stattdessen entwickelt sich der Kauf zu einem der größten Risikofaktoren in der deutschen Industriegeschichte. Die Kosten durch Klagen von Glyphosat-Geschädigten in den USA wurden von dem Chemieriesen massiv unterschätzt.
Klagen unterschätzt: Bayer zahlt 24 Milliarden Euro an Glyphosat-Geschädigte in den USA© Felicitas Rabe

Im Jahr 2018 hat der deutsche Chemiekonzern Bayer den US-Giganten Monsanto für 63 Milliarden US-Dollar gekauft. Mittlerweile (Stand April 2026) sind für Bayer über 24 Milliarden Euro Folgekosten entstanden. Mit dem Kauf von Monsanto hatte sich das Leverkusener Unternehmen seinerzeit verpflichtet, die rechtlichen Risiken und die rechtliche Verantwortung für den Unkrautvernichter Glyphosat von Monsanto zu übernehmen.

Die Folgekosten in Höhe von 24 Milliarden US-Dollar entstehen in der Hauptsache durch US-amerikanische Klagen gegen Monsanto, die nun Bayer belasten. In den Gerichtsprozessen führen Tausende von US-Klägern ihre Krebskrankheiten insbesondere auf die Nutzung des Unkrautvernichters Roundup von Monsanto zurück, bzw. auf den darin enthaltenen Wirkstoff Glyphosat. Fast alle der rund 170.000 eingereichten Klagen beziehen sich dabei auf die Erkrankung am Non-Hodgkin-Lymphom, eine Form von Lymphdrüsenkrebs. 

Laut weiteren Klagen sollen in den USA Umweltschäden durch die von Monsanto produzierten und vertriebenen PCP-Produkte (polychlorierte Biphenyle) entstanden sein. Auch für die daraus resultierenden Schadensersatzzahlungen sowie Anwalts- und Gerichtskosten muss nun Bayer aufkommen. Insofern zahlt der deutsche Chemiekonzern Ausgleichszahlungen an Zehntausende Krebskranke und ihre Anwälte in den USA.

Gleichzeitig müsse Bayer in vielen Fällen für die Reinigung von PCP-kontaminierten Gewässern oder öffentliche Gebäuden zahlen. Konkret hat Bayer für Schadensersatzforderungen bisher rund zehn Milliarden Euro ausgegeben. Die Gesamtkosten, einschließlich Vergleichskosten und Rechtsanwaltskosten, würden aktuell über 24 Milliarden Euro betragen. Es stehen noch rund 67.000 weitere Gerichtsentscheide aus.

Der Kauf des US-Agrarkonzerns Monsanto entwickle sich für Bayer im Nachhinein zu einer finanziellen Dauerbelastung. Wie die Zeitung Finanzblatt am Dienstag berichtete, überstiegen die hohen Kosten für Kläger und deren Anwälte inzwischen den ursprünglichen Nutzen der Übernahme deutlich. Sie würden die Bilanz des Unternehmens "prägen".

Während zahlreiche US-amerikanische Kläger das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup als Krebsverursacher anprangerten, weise Bayer diese Zusammenhänge zurück. Gleichzeitig komme der Konzern aber seit Jahren für Zehntausende Verfahren sowie die damit verbundenen hohen Vergleichszahlungen und Prozesskosten auf.  

Die Dynamik der Klagewelle sei zusätzlich noch verstärkt worden, weil Anwaltshonorare in den USA oft erfolgsabhängig vergütet würden. Dies trage zur Eröffnung immer weiterer Verfahren bei, erklärte das Finanzblatt das finanzielle Desaster für Bayer. 

Dem wolle der Konzern mit einem groß angelegten Vergleich nun einen Riegel vorschieben. Mit Zahlungen in Höhe von geplanten 7,25 Milliarden Dollar will man bestehende und künftige Klagen bündeln. 

Am kommenden Freitag, den 24. April, soll Bayer-Vorstandschef Bill Anderson auf der Aktionärsversammlung die neue Strategie vortragen. Das Handelsblatt berichtete, der Konzern wolle damit "die Last des mittlerweile seit sieben Jahren schwelenden Rechtsstreits um den Unkrautvernichter einzudämmen. Zudem wolle man die Unsicherheit für Bayer-Investoren reduzieren".

Das Finanzblatt kommentierte: "Die Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 (…) sollte den Konzern zum globalen Marktführer im Agrarsektor machen. Stattdessen entwickelte sich der Deal zu einem der größten Risikofaktoren in der deutschen Industriegeschichte, da die übernommenen Rechtsstreitigkeiten massiv unterschätzt wurden."

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